Heinrich Reimers

An der Nordseite der Kirche zu Großenwiehe findet man den Grabstein von Heinrich Reimers aus dem Jahre 1657. Ursprünglich befand sich dieser Grabstein in der Kirche vor dem Altar und wurde erst 1958 bei der Renovierung der Kirche nach draußen versetzt.

Auf dem Stein steht:
| Anno
1657 den Marty / ist der weilandt Wolehrnester vor- / achtbar und Wolvor /
nemer H. Heinrich Reimers Hochgraflicher / Ranzovischer Vor / walter avf
Lindewitt selich im Herrn / verschiden seines / Alters 57 Jahr dessen Sele Gott
G/ Anno
1674 den 2. May /us ist de viel Ehr und Tugendsame Frav / Anna Reimers
selich / im Herrn entschlafen ihres Alters 73 Jahr |
Im Innenteil
|
ANO
1641 d. 27. Mai ist deren Sohn / |
Um das große Wappen:
| JOHAN /14 / ICK / LEVE VNDE / GI / SCHOLLN / OCK / LEWEN |
Um den Totenkopf:
nicht mehr lesbar
Heinrich Reimers war Gutsverwalter auf dem nahe gelegenen Gut Lindewitt im Kirchspiel Großenwiehe von 1631 bis 1657.
Im Jahrbuch für die Schleswigsche Geest 1959 schreibt Rudolf Faasch
"Das
Geschlecht Reimers kommt aus Holstein, wo es um 1500 in Itzehoe nachgewiesen
wird. Der Zuzug erfolgte vermutlich aus der Haseldorfer Marsch, wo der Name
schon früher, so 1499 in Hohenhorst, nachgewiesen ist .
Reimers haben das nachstehende Wappen geführt. Kreuz mit gespaltenem Stamm, diesen kreuzend ein Doppel-Rosenzweig. Dieses Geschlecht hat in vielen Generationen in den Diensten der Rantzaus und der Ahlefeldts gestanden, sie haben die Besitzungen der Großen ihrer Zeit verwaltet und sich als Verwaltungs- und Kaufherren in dem Raum Schleswig-Holstein betätigt. In ihren Tochterstämmen sind sie bis auf den heutigen Tag nachweisbar.
Heinrich
Reimers wurde am 6.Oktober 1600 geboren und erhielt seinen Vornahmen nach dem
Statthalter Heinrich Rantzau (1526-1598), dem seine beiden Großelter dienten.
Der vierte Sohn Heinrich Rantzaus machte ihn zu seinem Kammerdiener. Dem diente
er auch bis zu seinem Tode als Umschlagsverwalter und Sekretär. Während des
kaiserlichen Einfalles diente er dem Königl. dän. Reichrat und Kriegsobristen
Falcke Lücke zunächst als Münsterschreiber, später als Kornett.
Dorothea
Brokdorf, die Witwe Gerhard Rantzaus, nahm Heinrich Reimers in ihre Dienste, und
nach ihrem Tode machte ihr Sohn Christian Rantzau (1616-1663) Reimers zum
Verwalter auf Koxbüll, Amt Tondern, und Höxbroe. 1631 erwarb er die Bestallung
als Verwalter von Lindewitt, Höxbroe und Klixbüll.
Diesen
großen Aufgaben wollte er nicht alleine gegenüberstehen. In Anna Hannemann,
einer Tochter des Kaufmannes Ludwig Hannemann zu Krempe, erwählte er sich eine
Lebenskameradin. Nach dem Verlöbnis am 28.2.1630 erfolgte zu Kiel am l.2.1631
die Hochzeit, sie wurde gehalten auf dem "Dantz-Sall" im Rathaus.
Von
seiner Verwaltungstätigkeit auf Kocksbüll her hat Heinrich Reimers Lindewitt
gekannt. Einzelne Hinweise finden sich in den Lindewitter Gutsakten, noch am
22.4.1631 hat er ein Pferd zur Jütländischen Musterung geführt. Dann aber hat
er den Dienst auf Lindewitt angetreten,
und für das Jahr 1631 findet sich der Schriftwechsel von ihm und seinem Vorgänger
Carsten Russ. Die Bestallung für Heinrich Reimers ist uns in einer undatierten
Kopie erhalten geblieben, wir
dürfen
diese für das Jahr 1631 ansetzen.
In dieser Bestallung werden in ausführlicher Weise die Aufgaben und seine Einkünfte behandelt. Als Wohnung wird ihm auf dem Gutshof in Lindewitt das "Rote Haus" zugewiesen, vom "Langen Stall" darf er soviel Raum benutzen, wie er für seinen Ackerbau benötigt. Seine jährlichen Einkünfte betragen 40 Rthr., die je zur Hälfte in Lindewitt und Höxbroe berechnet werden. Auf Rechnung der Herrschaft soll er die Gebäude des Gutes unterhalten. Er erhält außerdem jährlich 162 Fuder Torf sowie Gartenfrüchte ohne Obst. Im Garten leisten in jedem Jahr sechs Kätner, die er zu anderen Arbeiten nicht heranziehen darf, vier Tage Handdienst. Bei den Besuchen der Herrschaft auf Lindewitt sollen die Unkosten verzeichnet werden, frei dagegen haben diese und ihr Gefolge das Bier, ferner Milch und Butter. Dem Hausvogt Wolters wurden zur Haushaltung einige Ländereien verheuert. Die Einkünfte und die Ausgaben sollen getrennt nach den Gütern verzeichnet werden, zu Maitag soll dann die Abrechnung erfolgen.
Heinrich
Reimers hat diese Forderung in mustergültiger Weise erfüllt. Heute noch lassen
sich für beliebige Abschnitte seiner Dienstzeit und für die verschiedenen
Sachausgaben und Einkünfte genaue Übersichten schaffen. Ob es sich um die Einkünfte
aus den Mühlen, dem Grundbesitz, von Vieh oder Gartenfrüchten oder die
Ausgaben für die bauliche Unterhaltung des Gutshofes, von Brücken und
gutseigenen Häusern handelt, immer können wir auf genaue, belegte Angaben zurückgreifen.
Heinrich Reimers bediente sich für die Aufzeichnung der Ein- und Ausgaben im
wesentlichen der von Christianus Andreassen eingeführten Formen, sie sind dann
auch für spätere Verwalter als Muster beibehalten worden. Sie sind so ausführlich
gehalten, daß es trotz der kriegerischen Ereignisse gelang, z. B. für das Dorf
Kleinwiehe eine lückenlose Besitzerfolge vom Jahre 1626 ab zu erstellen.
Wie
wir aus den zahlreich vorhandenen Briefen von und an Heinrich Reimers entnehmen
können, hat er sowohl mit seiner Herrschaft wie auch mit der von ihm in
gewissen Dingen abhängigen Bauernschaft ein sehr gutes Verhältnis unterhalten.
An seinen Dienstherren schreibt er 1646:"Dem hochedelgeborenen, gestrengen,
festen und mannhaften Herrn Christian Banzau, Königl.-holsteinischer Landrat
und Amtmann auf Rendsburg, zu Breitenburg erbgesessen. Meinen grossgünstigen
hochgelehrt- und vielgeliebten Herrn und Förderer werden dienstlich
geruhen..."
Christian
Rantzau dagegen entgegnet ihm: "Lieber Heinrich Reimers."
Aus
der Zeit seiner über zwei Jahrzehnte währenden Tätigkeit auf Lindewitt sind
uns so viele Zeugnisse seiner umfangreichen Tätigkeit erhalten, daß wir auf
ein arbeitsreiches Leben schließen müssen. In seine Zeit fallen die großen
Kriegsereignisse, die das Land erschütterten und die ihn zwangen, das Gut zu
verlassen, um an anderer Stelle, der Zeit gehorchend, Dienst zu tun.
Wir
wenden uns nun seiner Familie zu und werden sehen, daß ihr tiefes Leid nicht
erspart blieb, daß sie aber auch Höhepunkte aufweist, wie es nicht vielen
Familien seiner Zeit begnadet war. Heinrich Reimers und seine Frau Anna hatten 7
Kinder:
1.
Christian
Reimers
wurde vermutlich auf Lindewitt geboren (1631). Er besuchte verschiedene
Universitäten des In- und Auslandes, bereiste Frankreich und Italien; hier
wurde er auf der Rückreise nebst einigen Gefährten 1658 umgebracht.
2.
Gerhard
Reimers
wurde 1633 auf Lindewitt geboren. Er war anfangs Schreiber beim Advokaten Becker
in Glückstadt (einem Vetter von ihm); 1625 Rantzauischer Kammerschreiber, 1660
Kaufmann zu Flensburg, 1670 Kirchengeschworener, 1673 dep. Bürger- und
Klostervorsteher, 1689 Ratsherr, 1680 Mühlenherr, 1693 Schulvorsteher. 25. 2.
1697 Bürgermeister in Flensburg. Er starb: 16. 8.1697 am Schlage, der ihn auf
der Schiffbrücke befiel, im Kompagnie-Haus. Er war 1694 verheiratet mit
Katharina Hoe (1646-1726), Tochter des Ratsherren zu Flensburg Hermann Hoe. Hier
sind zahlreiche Nachkommen zu verzeichnen, die meist dem Kaufmannsstande angehörten.
3.
Dorothea
Reimers
wurde 1635 geboren und verstarb 1700. Sie war getraut l. 1652 mit Johann
Esmarch, Pastor zu Klixbüll, gest. 1666; 2. 1668 mit dessen Nachfolger im Amt,
Marcus Esmarch, gest. 1699. - Ihr Sohn Thomas Esmarch war Holz-Vogt zu Gramm,
dessen Sohn Marquard Esmarch königl. Justizrat, gest. 1733. Die Tochter Anna
Katharina, geb. 1726, heiratete den Prof. und Rektor in Flensburg Olaus Henrich
Moller, dem wir diese vorbildliche Genealogie verdanken.
4.
Hinrich
Reimers
wurde 1637 geboren, er ertrank 1641 bei Lindewitt und wurde in der Großenwieher
Kirche begraben.
5.
Anna
Reimers
wurde 1640 zu Lindewitt geboren, sie verstarb zu Flensburg 1711. Sie war 1660
verheiratet mit Michael Gude (d. Ä.), dem Verwalter des Gutes Lindewitt
(1659-1696) und Nachfolgers Heinrich Reimers .
6.
Margaretha
Katharina Reimers
wurde 1643 zu Krempe geboren und verstarb 1683. Sie heiratete den königl. dän.
Geheim-Etats-Justiz-Kanzlei- und Kommerzrat Michael Wibe.
7.
Wibiche Reimers
wurde 1645 zu Krempe geboren, ihr Sterbedatum ist nicht, bekannt geworden. Sie
wurde in der Großenwieher Kirche beigesetzt Sie wurde getraut 1678 mit
Christian Ludwig Tillmann v. Schenk, Oberstleutnant in des Kronprinzen Christian
Regiment. - Er heiratet nach ihrem Tode des Ober-Kriegskommissars Sellmers älteste
Tochter.
Während
des Schweden-Einbruches hat die Familie Reimers das Gut Lindewitt verlassen müssen.
In dieser Zeit war Heinrich Reimers in der Festung Krempe von 1643-1645
Proviantmeister, auf Lindewitt wurde er durch seinen Hauslehrer Sommer
vertreten, der die Verwaltung weiterführte. Nicht lange nach seiner Rückkehr
hat er sich seiner Tätigkeit auf Lindewitt widmen können, denn schon 1657
verstarb er am 4. März 57jährig, am Quartanfieber (Malaria). Seine Frau Anna
hat bis zum Jahre 1669 die Verwaltung weitergeführt. In diesem Jahre heiratete
ihre Tochter Anna Michael Gude d. Ä., der mit der Verwaltung der Güter
beauftragt wurde.
Heinrich
Reimers Witwe siedelt nach Breitenburg über, wo sie 1663-67 als Hofmeisterin
der Rantzaus nachgewiesen ist. 1673 ist sie gestorben und fand neben ihrem
Gatten in dem Erbbegräbnis in der Großenwieher Kirche die letzte Ruhestatt.
Der Großenwieher Pastor Johannes Jessen hat die Leichenpredigt auf Heinrich Reimers gehalten. Sie ist nicht auf unsere Zeit gekommen."
30.04.2003